SEIT IHRER GRÜNDUNG IM JAHR 1957 IST DIE EU VON SECHS LÄNDERN AUF 27 LÄNDER ANGEWACHSEN. SIE HABEN SICH ZUSAMMENGESCHLOSSEN, UM IHR SCHICKSAL GEMEINSAM IN DIE HAND ZU NEHMEN. WELCHE LÄNDER GEHÖREN ZUR EU UND WANN SIND SIE IHR BEIGETRETEN? IN DIESEM KAPITEL ERFAHREN SIE, WIE SICH DIE EU ZU DEM ENTWICKELT HAT, WAS SIE HEUTE IST, UND WAS SIE SO EINZIGARTIG MACHT.

DIE EUROPÄISCHE UNION – WAS IST DAS EIGENTLICH?

Mitgliedstaaten der EU

Die Europäische Union ist kein Staat, sondern eine einzigartige Partnerschaft zwischen europäischen Ländern, die als Mitgliedstaaten bezeichnet werden. Sie erstreckt sich fast über den gesamten europäischen Kontinent. In der Europäischen Union leben über 446 Millionen Menschen, was etwa 6 % der Weltbevölkerung entspricht. Die Bürgerinnen und Bürger der EU-Mitgliedstaaten sind auch Bürger der Europäischen Union.

Derzeit besteht die EU aus 27 Ländern. Im Juni 2016 stimmte eines dieser Länder, das Vereinigte Königreich, für den Austritt aus der Europäischen Union. Es hat die EU 2020 verlassen.

Aufgabe 1

WER IST MITGLIED DER EU?

Schauen Sie sich die unten aufgeführten Flaggen und Ländernamen an. Dies sind alles europäische Länder, aber sie gehören nicht alle zur Europäischen Union. Bestimmen Sie diejenigen Länder, die zur EU gehören. Lokalisieren Sie diese Länder anschließend auf der Landkarte. Falls Sie Hilfe benötigen, werfen Sie einen Blick auf diese Website. europa.eu/!yY73MU

ALBANIEN

ANDORRA

BELGIEN

BOSNIEN UND HERZEGOWINA

BULGARIEN

DÄNEMARK

DEUTSCHLAND

ESTLAND

FINNLAND

FRANKREICH

GRIECHENLAND

IRLAND

ISLAND

ITALIEN

KROATIEN

LETTLAND

LIECHTENSTEIN

LITAUEN

LUXEMBURG

ΜΑLTA

MOLDAU

MONTENEGRO

NIEDERLANDE

NORDMAZEDONIEN

NORWEGEN

ÖSTERREICH

POLEN

PORTUGAL

RUMÄNIEN

SCHWEDEN

SCHWEIZ

SERBIEN

SLOWAKEI

SLOWENIEN

SPANIEN

TSCHECHIEN

TÜRKEI

UKRAINE

UNGARN

VATIKANSTADT

VEREINIGTES KÖNIGREICH

ZYPERN

Aufgabe 2

WAS WISSEN SIE ÜBER DIESE LÄNDER – ODER WAS KÖNNEN SIE ÜBER SIE HERAUSFINDEN?

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten für ein Reisebüro in Europa. Wählen Sie die zwei EU-Länder aus, die sie am besten kennen, und erstellen Sie eine kurze Zusammenfassung für Besucher aus dem Ausland. Zum Beispiel: Wie viele Menschen leben in diesen Ländern und wie heißt die jeweilige Hauptstadt? Was haben sie Besuchern zu bieten (kulinarische Spezialitäten, Kultur, Sprache usw.)?

Die Amtssprachen der EU

Die Europäische Union hat 24  Amtssprachen.

Warum sind das so viele? Ohne ihre Mitgliedstaaten und deren Bürgerinnen und Bürger gäbe es die EU nicht. Als eine demokratische Organisation muss sie mit den Regierungen der Mitgliedstaaten, deren Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen in deren Sprache kommunizieren. Die Menschen haben das Recht, zu erfahren, was in ihrem Namen getan wird. Außerdem müssen sie die Möglichkeit haben, sich aktiv an EU-Angelegenheiten zu beteiligen, ohne zuerst eine Fremdsprache erlernen zu müssen. Wussten Sie, dass Sie sich in jeder der 24  Amtssprachen an die Institutionen der EU wenden können und in derselben Sprache eine Antwort erhalten?

DOBRÓ ÚTRO / BUENOS DÍAS
Dobré ráno / Godmorgen
Guten Morgen / Tere hommikust
Kalimera / Good morning
Bonjour / Dia DUIT
Dobro jutro / Buongiorno
Labas rytas / Labrīt
JÓ NAPOT / L-Għodwa t-Tajba Goedemorgen / Dzień dobry / Bom dia
Bună dimineaţa / Dobré ráno
Dobro jutro / Hyvää huomenta
God morgon
United in diversity

Die europäischen Werte

Haben Sie den Ausdruck „In Vielfalt geeint“ schon einmal gehört? Das ist das Motto der EU und macht deutlich, worum es bei den Werten der EU geht. Auch wenn jedes EU-Land eine eigene Kultur, Sprache und Tradition hat, sind diese Länder durch dieselben gemeinsamen Werte vereint, die sie einhalten müssen, wenn sie Teil der Europäischen Union sein wollen.

Ein Grundwert, der alle Mitgliedstaaten verbindet, ist die Demokratie. Dies bedeutet, dass nur demokratische Länder Mitglied der Europäischen Union sein können.

Bei den anderen Werten der EU, die allen Mitgliedstaaten gemein sind, handelt es sich um die Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Personen, die Minderheiten angehören.

Diese Werte sind in einem wichtigen Rechtstext festgelegt, der als Vertrag bezeichnet wird, dem alle Mitgliedstaaten zugestimmt haben und den sie daher einhalten müssen. Der aktuell geltende Vertrag ist der Vertrag von Lissabon. Er wurde 2007 in der portugiesischen Hauptstadt unterzeichnet.

Von sechs zu 27 EU-Mitgliedstaaten

Wie wir gesehen haben, besteht die EU aus ganz unterschiedlichen Ländern. Das größte  – Deutschland  – hat etwa 82  Millionen Einwohner, das kleinste  – Malta  – gerade einmal 400  000. Die Europäer sprechen unterschiedliche Sprachen und benutzen drei verschiedene Alphabete (das lateinische, griechische und kyrillische Alphabet). Sie haben unterschiedliche Traditionen, Kulturen, kulinarische Spezialitäten und Feste.

WUSSTEN SIE …

… dass die Europaflagge einen Kreis aus zwölf goldenen Sternen auf blauem Hintergrund zeigt? Sie wurde 1984 von der Europäischen Union (die damals noch Europäische Wirtschaftsgemeinschaft hieß) eingeführt und weht jetzt auf Parlamenten, kommunalen Gebäuden, in Parks und an Denkmälern in ganz Europa. Die Flagge symbolisiert die Völker Europas und der Kreis ihre Einheit. Die Zahl der Sterne beträgt stets zwölf; die Zahl Zwölf symbolisiert Vollkommenheit und Vollständigkeit.

Aufgabe 3

PRAKTISCHE BEDEUTUNG DER WERTE UND GRUNDSÄTZE DER EU

Teil 1: Kreuzen Sie bei jeder der neun folgenden Fragen die richtige Spalte an. Diskutieren Sie in kleinen Gruppen, was ein Land Ihrer Ansicht nach tun muss und niemals tun sollte, wenn es Teil der EU sein möchte.

Ein Land … (A)
… kann Mitglied der EU werden
(B)
… kann nicht Mitglied der EU werden
1 das keine Pressefreiheit gewährt,
2 das die Todesstrafe praktiziert,
3 das es seinen Bürgern erlaubt, gegen die Regierung zu protestieren,
4 in dem regelmäßig Parlamentswahlen stattfinden,
5 in dem ein Präsident bis zu seinem Tod regiert und durch einen Sohn oder eine Tochter abgelöst wird,
6 in dem die Armeeführung die Politik bestimmt und notfalls militärisch in die Innenpolitik eingreift,
7 in dem Menschen so lange als unschuldig gelten, bis ein Gericht ihre Schuld festgestellt hat,
8 in dem es nur eine Partei gibt, die deshalb auch immer an der Regierung ist,
9 das Minderheiten schützt, auch wenn die Mehrheit sie ablehnt,

Teil 2: Bilden Sie kleine Gruppen und wählen Sie zwei der nachfolgend aufgeführten fünf EU-Werte aus; diskutieren Sie in Ihrer Gruppe darüber, welche Bedeutung diese Werte für Sie haben.

Wie hat alles angefangen?

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der gerade einmal 20  Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ausgebrochen war und von 1939 bis 1945 dauerte, waren die Menschen fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht noch einmal geschieht.

Zwischen 1945 und 1950 leiteten einige europäische Politiker, zu denen Robert Schuman, Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi und Winston Churchill zählten, einen Prozess ein, mit dem die Europäische Union geschaffen wurde, in der wir heute leben. In Westeuropa entstanden neue Strukturen zur wirtschaftlichen und politischen Einigung europäischer Staaten, um dauerhaften Frieden und Wohlstand zu sichern.

Am 9.   Mai 1950 schlug Robert Schuman (der damalige französische Außenminister) vor, die Produktion von Kohle und Stahl  – also der Rohstoffe, mit denen der Krieg vorbereitet worden war  – gemeinsam zu verwalten, um sicherzustellen, dass sich kein Land heimlich bewaffnen kann. Damals kam Kohle als der wichtigsten verfügbaren Energiequelle dieselbe Bedeutung zu, die Öl und Erdgas heute haben. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, aus der die heutige EU hervorging, entstand 1952. Gegründet wurde sie von sechs Nachbarländern: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden.

Erweiterte Zusammenarbeit

Einige Jahre danach beschlossen die sechs Gründungsstaaten, ihre Zusammenarbeit auf weitere Wirtschaftszweige auszudehnen. Im Jahr 1957 wurde der Vertrag von Rom unterzeichnet, mit dem die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet wurde. Gegenseitige Feindschaft wurde von Zusammenarbeit abgelöst  – und diese Zusammenarbeit erwies sich als äußerst erfolgreich. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft verzeichnete enorme wirtschaftliche Fortschritte. Kein Wunder, dass sich im Laufe der Jahre immer mehr Länder um einen Beitritt bemühten.

Neue Mitglieder

Im Jahr  1973 traten Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich* der EU bei. Einige Jahre danach konnten drei europäische Länder, die sich von Diktaturen zu demokratischen Staaten entwickelt hatten, ebenfalls die Mitgliedschaft beantragen. Dabei handelte es sich um Griechenland, das der EU 1981 beitrat, sowie Portugal und Spanien, die 1986 folgten. Finnland, Österreich und Schweden traten 1995 der Europäischen Union bei, die nunmehr 15  Mitgliedstaaten zählte.

Kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Europa durch den Eisernen Vorhang in Ost und West gespalten, womit der 40  Jahre andauernde Kalte Krieg eingeleitet wurde. Die Berliner Mauer war ein Symbol dieser Teilung. Nach dem Fall der Mauer im Jahr  1989 war der Weg frei für die mittel- und osteuropäischen Länder, die zuvor zum ehemaligen sowjetischen Herrschaftsbereich gehört hatten und die nun ihre Systeme reformieren und den Beitritt zur EU beantragen konnten. Im Jahr  2004 traten acht Staaten Mittel- und Osteuropas der EU bei: Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Im selben Jahr wurden auch die Mittelmeerinseln Zypern und Malta EU-Mitglieder. Im Jahr  2007 traten Bulgarien und Rumänien der EU bei, und Kroatien ist seit 2013 das 28.   Mitglied der Europäischen Union.

Die Aufnahme neuer Mitglieder sorgte für die Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität in Europa und trug zur Erweiterung des Raums der Demokratie und des Binnenmarkts bei. Neue Mitglieder müssen bereit sein, die Verträge zu unterzeichnen und die EU-Rechtsvorschriften in ihrer Gesamtheit zu übernehmen. Sie müssen sich zu den Grundsätzen der Freiheit, der Demokratie und der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie zur Rechtsstaatlichkeit bekennen.

* Das Vereinigte Königreich hat die EU 2020 verlassen.
  • 2013
  • 2007
  • 2004
  • 1995
  • 1986
  • 1981
  • 1973
  • 1957

Friedensnobelpreis

Auch wenn sich die EU-Staaten nicht immer in allem einig sind, so hat sich doch an den Grundsätzen, auf denen die EU fußt, in den letzten 70  Jahren nichts geändert. In Anerkennung ihres unermüdlichen Eintretens für Frieden, Demokratie und Menschenrechte in Europa und weltweit wurde der Europäischen Union im Jahr 2012 der Friedensnobelpreis verliehen. Die EU ist damit der erste Staatenverbund weltweit, dem diese Ehre zuteilwurde.

Aufgabe 4

WAS BEDEUTET DIE EUROPÄISCHE UNION FÜR JUNGE MENSCHEN?

Wie wir wissen, hat die Europäische Union ihre Ursprünge in den frühen 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts, als ihre Grundregeln von Menschen festgelegt wurden, die die Gräuel eines Weltkriegs oder sogar von zwei Weltkriegen erlebt hatten. Diese Kriege hatten Millionen und Abermillionen Menschen auf dem gesamten europäischen Kontinent den Tod gebracht. Das Anliegen bestand darin, durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ländern und die Zusammenführung ihrer Bürgerinnen und Bürger künftige Konflikte zu vermeiden: ein recht kühnes Vorhaben für Länder und Menschen, die eben erst einen Konflikt überwunden hatten.

Nicht viele junge Menschen haben heute noch Verwandte, die ihnen über ihre Erfahrungen aus diesen schwierigen Zeiten berichten können. Sie und Ihre Freunde wurden um 2004 herum geboren, zu einer Zeit, als in Europa bereits seit 50 Jahren Frieden und Wohlstand herrschten. Was bewegt Sie als junge Menschen bei dem Gedanken an eine so lange Friedenszeit in Europa? Ist sie für Sie eine Selbstverständlichkeit, oder machen Sie sich manchmal Sorgen um die Zukunft? Diskutieren Sie dieses Thema mit Ihren Mitschülern.